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geh raus und sing!

Ben hat sehr geholfen. Das Thema an dem Nachmittag war „Loslassen“ und er erzählte mir von der malaysischen Affenfalle. Auf dem Weg von Rummelsburg nach Neukölln dann der Sprung von der Brücke. Das war wohl folgerichtig in dem Moment.

Natürlich haben die Jungs auf der Mole abgesichert, dass kein Schiff oder Boot unter der Brücke ist aber ich bin in so was eben auch nicht geübt. Rückwärts zu springen war das schwerste. „Vorwärts kommst Du in Rücklage, alleine schon durch den Luftzug und das kannst Du nicht verhindern“ hatten sie gesagt und so bin ich dem Beispiel des vor mir Gesprungenen gefolgt. Man ist sehr bei sich in dem Moment, wenn man nur noch mit Zehen und Ballen auf dem Geländer steht und man darf es nicht zu lange hinaus zögern, weil sonst die Angst kommt. Arme auseinander, tief Luft holen und dann abdrücken, möglichst weit!

Im freien Fall geht dann, rückwärts gesprungen, fast automatisch der Rumpf nach unten und die Beine kommen hoch. Die vielleicht acht bis zehn Meter reichten aus um noch die Hände nach vorne zu bekommen, dann bin ich kopfüber eingetaucht in die Spree…

Seitdem geht es besser.

Was Ben auch gesagt hat war, dass Wettkampfhärte nur auf der Straße zu bekommen ist. Also bin ich nach Hamburg gefahren und habe zum ersten mal seit ich weiß nicht wann wieder Straßenmusik gemacht.

Seewetter und ein nicht zu unterschätzendes Einsamkeitspotenzial. Auch hier das „Loslassen“ lernen. Bei mir sein und mich am Ende, wenn’s gut läuft, gar nicht kümmern um die Menschen, die vorbei ziehen und mich nicht beachten oder schräg’ anschauen. Einfach unbeirrt mein Ding machen.

Kinder sind ein Segen. Sie sind immer neugierig und zugetan. Manchmal motiviert das dann auch die Eltern einen Moment stehen zu bleiben, hinzuhören und vielleicht sogar einen Euro raus zu kramen, den der Nachwuchs dann in den Hut werfen darf. Es reichen vier bis fünf schmissige Nummern. Ein paar Minuten Pause zum Rauchen und etwas Trinken und dann das ganze wieder von vorn. Das übt ungemein.